I tre volti della paura

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1963 brachte der italienische Regisseur Mario Bava einen Horrorfilm heraus. Der Streifen mit dem Titel “I tre volti della paura” (Die drei Gesichter der Furcht) war nur eines der zahlreichen Machwerke Bavas, der dem düsteren Horror-Genre zeitlebens treu blieb und auch solche Perlen wie “Planet der Vampire” und “Im Blutrausch des Satans” drehte. Wir wollen mal nicht zu hart über den Maestro urteilen. Jedenfalls fand Geeze Butler, ein Bassist aus Birmingham, dass der englische Titel des italienischen Schockers, nämlich “Black Sabbath”, sich ausgezeichnet als Titel für ein gerade geschriebenes Stück eignen würde, wenig später wurde der Titel als Bandname adaptiert. Man schrieb das Jahr 1969. Osbourne, Iommi, Ward und Butler nahmen ihr erstes Album in 12 Stunden auf. Ich sehe das zwar anders, aber manche Leute sagen, das wäre die Erfindung des Heavy Metals gewesen.

Nun könnte ein sehr langer Abriss über die Großtaten der oben erwähnten Musiker folgen. Darin würden abgebissene Fledermausköpfe, eine mehrjährige gerichtliche Auseinandersetzung um Namen und Kohle, zwei abgetrennte Fingerkuppen in einem Walzwerk, die “Mano cornuta”, der langjährige intensive Missbrauch von Kokain, der noch viel langjährigere und intensivere Missbrauch von Alkohol, verprügelte und extrem geschäftstüchtige Ehefrauen und eine Reality Soap auf MTV vorkommen. Lassen wir es dabei.

Die Nachricht, dass Black Sabbath in Originalbesetzung eine Studioplatte, die erste seit 1978, aufnehmen würden, versetzte die Heavy Metal Szene in fiebrige Erwartung. Dann stellte sich heraus, dass Bill Ward nicht trommeln würde, weil er noch Geld zu kriegen hatte, was die anderen 3 nicht so sahen, aber das sind Kinkerlitzchen, ein Ersatzmann war mit Brad Wilk (Rage Against The Machine) schnell gefunden. Man kann sich einer solchen Platte auf unterschiedliche Arten nähern, nämlich mit Ehrfurcht, mit Zynismus, mit Rührung, mit jugendlicher Überheblichkeit und mit großer Sachlichkeit. Ich versuche mal das letztere.

Bereits mit den ersten Takten von “End Of The Beginning” weiß der geneigte Hörer, was ihn in der kommenden Stunde erwartet, nämlich die Essenz von über vierzig Jahren harter Rockmusik. Jeder anderen Kapelle würde man eine billige Kopie unterstellen. Black Sabbath verzeiht man das sofort, weil es eben eine Kopie ihrer selbst ist. Sie können nur ihren Streifen spielen und das machen sie dann einfach. Und genau deshalb verzeiht man noch viel mehr: Die abgedroschenen Rüttelreime, die billigen Riffs, die Sandkastensoli, die sehr konservativen, vorhersehbaren Abläufe, die technischen Schnitzer (wenns mal ein bisschen flotter wird, wirds arg unsauber). Ich werde jetzt ein ganz schlimmes Wort verwenden, dass ziemlich aus der Mode gekommen ist: Das neue Album von “Sabbath” ist “echt”.

Die Puristen kritisieren vor allem den Klang des Albums, er gehe zu sehr in Richtung “loudness war”. OK, Rick Rubin ist für mich nicht unbedingt ein Heiliger, jedenfalls nicht mehr seit “Death Magnetic” von Metallica, aber hier ist ihm der Spagat gelungen: Für eine Sabbath-Scheibe ist die Produktion sehr transparent und knusprig, und kann die schlichte Wohnzimmer-Studio-Atmosphäre nicht ganz verleugnen. Im Grunde ist das eine Rückbesinnung auf die spartanische Studiotechnik der frühen Siebziger. Deshalb hat Rubin die heute möglichen Mätzchen wohltuend sparsam eingesetzt. Das ist vielleicht das bemerkenswerteste an “13″: Wenn man etwas so sehr poliert und es trotzdem nicht zu dünn wird und nicht bricht, dann ist das große Kunst.

Was bleibt von “13″? Nun einige überdurchschnittliche Stücke wie: Age Of Reason, Dear Father, Pariah. Außerdem wird es wohl das letzte Album von Sabbath werden: Iommi leidet an Lymphdrüsenkrebs, Osbourne hat immer wieder mal Schwächeanfälle und wird sich dann vielleicht doch totsaufen. Wir stehen auf den Schultern zerbrechlicher Riesen.

Note to self: Diesmal bis 45. Musik: Black Sabbath.

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