K und K
Mai 19th, 2012
“Mespelbrunn” Ölfarbe auf Baumscheibe und Stahlblech, Anonym
Zu den immer wieder verbreiteten Binsenweisheiten gehört, dass “Kunst” von “können” kommt. Möglicherweise stimmte das ja noch in der guten alten Zeit, als die Meister noch mit Perspektive und Größenverhältnissen kämpften. Irgendwann rang man sich aber zu der Erkenntnis durch, dass Kunst im Auge des Betrachters liegt. Deshalb sollte man auch der Putzfrau, die damals den Schmutz aus Joseph Beuys` Badewanne schrubbte, keinen allzu heftigen Vorwurf machen. So gesehen kann demnach ganz schön viel Kunst sein, nur eben Kitschiges nicht, gell. Denn Kunst gehört nun mal in die bildungsbürgerliche Welt des Schönen, Wahren und Guten. Kitsch dagegen wird dem miefigen, strunzdoofen Proletentum zugeordnet. Da versteht der kunstbeflissene Schöngeist gar keinen Spaß.
Die Unterscheidung von Kunst und Kitsch scheint auf den ersten Blick mit der Qualität des Produktes zu tun zu haben, ein fataler Irrtum. In Wirklichkeit ist nämlich die Quantität für unsere Beurteilung ausschlaggebend, sprich der Preis und die Verfügbarkeit, also letztlich Angebot und Nachfrage. Ich gebe ein Beispiel: Jeder, der die 80er und 90er Jahre bewusst miterlebt hat, kennt Fotografien von Robert Doisneau, genau: Jene Schwarz-Weiß-Aufnahmen von sich küssenden Paaren in Paris, die als billige Poster in Millionenauflage verkauft wurden. Ich behaupte mal, dass jeder zweite weibliche Teenager meiner Generation ein solches Poster in seinem Jugendzimmer hängen hatte. Noch heute geht es mir so, dass ich den komisch-künstlichen Geschmack aromatisierten Schwarztees auf der Zunge habe, wenn ich eines solchen Plakats ansichtig werde. Nun wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass Robert Doisneau ein großartiger Fotograf, also auch ein großer Künstler ist. Trotzdem sind geschätzte 90% der küssenden Paare inzwischen auf Speichern, in Kellern und Mülltonnen verschwunden. Man hat sich des Kitschs entledigt. Da haben wir den Salat.
Kunst besteht also auch aus der Kunst der künstlichen Verknappung. Genau deshalb wird ein Künstler, der etwas auf sich hält, Druckplatten und Steine zerstören, wenn die vorgesehene Anzahl der Drucke bzw. Lithographien erreicht ist. Robert Doisneau hatte das Pech, dass seine geldgeilen Nachfahren der unbegrenzten Vervielfältigung des ursprünglichen Negativs zugestimmt haben. Damit kein falscher Eindruck aufkommt: Bei mir waren es keine Küssenden, sondern Poster von Dali und Magritte, die auch irgendwann weichen mussten, als die Erkenntnis “Dies ist keine Pfeife” an Originalität und zerfliessende Taschenuhren ihren Reiz verloren hatten. Ah, Originalität, da haben wir den künstlerischen Kern des Pudels: Damit Kunst im Auge des Betrachters liegen kann, muss er angefasst, überrumpelt, hinterrücks überfallen sein. Der Schöpfer von “Mespelbrunn” hätte genau das bei mir nie geschafft. Aber die Jahrzehnte seit der Schöpfung, die in diesem Zeitraum erfolgte Versymbolisierung des Motivs “Röhrender Hirsch” und die Herkunft des Objekts machen für mich eben das Besondere aus. Kitsch muss man genießen können, auch das kann eine Kunst sein.
Note to self: Gimli ward wiedergeboren, zickt aber noch. Musik: AC/DC.



Der Kalkofenweg bei Walheim
Restaurierte Kalköfen
Im Naturschutzgebiet Struffelt bei Roetgen
Entlüftungsschacht Finkenbur (Kallstollen)
Pegelturm an der Kalltalsperre
Hubertis Circus-Palast, südlich von Paustenbach
Im Imgenbroicher Venn
Burg Monschau, Eselsturm
Die Rur in Monschau

